Entwicklungsphasen der Welpen

1. und 2. Lebenswoche (Neonatale Phase)

In dieser Phase ist das einzige Bestreben des Welpen das Erreichen der mütterlichen Zitze. Dies erfolgt durch angeborene Instinktsteuerung. Bei gesunden kräftigen Welpen wird dies sehr zielstrebig durchgeführt. Die pendelnden Suchbewegungen des Kopfes, dazu der Tast- und Geruchsinn führen ihn an die Zitze. Auch das Saugen selbst, der Milchtritt mit den Vorderpfötchen und das Abstemmen mit den Hinterpfötchen sind angeboren. Ebenso das Bedürfnis nach Wärme. Entfernt sich der Welpe zu weit von der Mutter, so beginnt er ein „fürchterliches Geschrei“ bis er ein Körperteil der Mutter wieder findet. Die Bewegungsformen sind Kreiskriechen und Kopfpendeln. Da die Welpen so den speziellen Geruch der Mutter in sich aufnehmen, ist es außerordentlich wichtig in dieser Zeit auch den Geruch des Menschen auf den Welpen zu prägen. Das sollte durch häufiges in die Hand nehmen geschehen. Somit ist er von der ersten Minute an auch auf den Menschen geprägt (Doppelprägung). Täglich werden die Welpen gewogen um damit die Entwicklung der Kleinen gut verfolgen zu können. Das Geburtsgewicht kann sich in den ersten Tagen n. d. Geburt, bei einigen Welpen oder auch bei allen, geringfügig verringern. Die Welpen verschlafen in dieser Phase fast 90% ihres Daseins, die restliche Zeit verbringen sie mit saugen. Sie sind Nesthocker und auf den unbedingten Schutz durch die Mutter angewiesen. Es sollte deshalb jede Störung von außen vermieden werden. Die Welpen können in dieser Phase nicht sehen, nicht hören, keine Wärme regulieren und selbständig keinen Kot und Urin absetzen. Dies macht alles Muddi ;-). Der Rhythmus für die Welpen und auch für die Hündin besteht aus saugen, schlafen, Brutpflege. Sie benötigen in dieser Phase viel Ruhe und Geborgenheit.
3. Lebenswoche (Übergangsphase)

Die wichtigste Weiterentwicklung der Welpen ist in dieser Phase das Öffnen der Augen und Ohren zwischen dem 10. und 13. Tag n. d. Geburt. Die Augen sind zuerst trüb und erscheinen dann blau/grau. Ein zielgerichtetes Sehen ist zu Beginn noch nicht möglich. Zuerst werden nur Schatten wahrgenommen. Danach verbessert sich das Sehen täglich. Ebenso verhält es sich mit dem Hören, erst allmählich beginnt die Wahrnehmung, dann tgl. Zunahme.
Gleichzeit beginnen sich die ersten „Zähnchen“ zu zeigen. Man spürt sie, wenn man ganz leicht mit dem Finger durch das Mäulchen streicht. Auch erfolgen jetzt die ersten richtigen „Gehversuche“, die meistens wieder auf dem kleinen Hinterteil landen. Das Gleichgewicht kann noch nicht lange gehalten werden, es wird aber weiter versucht, bis es irgendwann gelingt. Es wird auch schon mal „gebellt“ oder ein „Wolfsgeheul“ angestimmt. Das Geschwisterchen wird auch schon mal ausgiebig an den Ohren, Pfötchen oder am Schwänzchen benagt. Auch die ersten kleinen „Geschäfte“ werden schon mal ohne Mutters Hilfe versucht, auch hierbei kann es noch passieren, dass der Welpe einfach umfällt. In diese Zeit fällt auch das erste Entwurmen der Welpen (ca. 10.-14. Tag), der erste unangenehme Teil ihres Daseins ;-). Dies sollte so weit wie möglich spielerisch erfolgen, um den Welpen nicht zu verschrecken.

4. bis 8. Lebenswoche (Prägungsphase)

Die Zeitspannen in denen der Welpe sich nun aktiv mit sich und seiner Umwelt auseinandersetzt werden tgl. länger. Jetzt sollte er mit allen Anreizen, die ein Haushalt bietet, konfrontiert werden. Es sollte auch die weitere Prägung auf den Menschen verfestigt werden. Ergänzt wird das ganze durch Welpenspielzeug vielfältiger Art (Welpentunnel, Bälle, kleine Knochen, Lappen usw.) - der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Die Koordination wird im Spiel mit den Geschwistern tgl. verbessert. Es wird auch schon mal ein „Sturmangriff“ auf die Mutterhündin vollführt. In diese Zeit fällt auch der erste Kontakt mit Besuchern/Welpenkäufern/Tierarzt usw. Wenn möglich beziehen wir die Welpenkäufer schon in die Entwicklung der Welpen mit ein. Und klären alle Fragen, die mit dem „Neuzugang“ in der Familie auftreten können (Ruhephasen, Spielzeiten, Nahrung, erste Erziehung, richtiges Hochnehmen, keine Treppen laufen usw.). Auch die Mutterhündin ändert jetzt ihr Verhalten, sie entwickelt sich von der Pflegerin zur Erzieherin.
Ab ca. der 3. oder 4. Woche beginnt das Zufüttern. Dies stellt einen enormen Fortschritt für die Welpen dar. Wann der Zeitpunkt der Zufütterung erfolgen sollte, wird von der Wurfgröße und dem Milchangebot der Mutterhündin abhängig gemacht. Die erste Mahlzeit wird bei uns aus der Hand gefüttert. Wir bieten ihnen kleine Fleischbällchen aus „bestem Tatar“ an, die immer sehr gern genommen werden. Der Welpe wird dazu auf den Schoß genommen und ihm die flache offene Handfläche mit dem Bällchen hingehalten. Auch Fressen will gelernt werden! Am Anfang braucht der Welpe Hilfestellung, da er vor lauter Eifer das Bällchen nur hin und her schiebt. Das Ganze ist einzigartig zu beobachten und spätestens jetzt merkt man, dass er ein Fleischfresser ist. Diese erste Mahlzeit geben wir gern am Abend oder zur Nacht zur besseren Sättigung. Weitere Zufütterung erfolgt dann mit Welpenmilch und Welpenbrei. Auch hier muss erst geübt werden! Wir bieten diese Mahlzeit auf einem flachen Teller an. Zuerst ist sie noch recht flüssig (zum schlabbern), dann immer breiiger bis hin zur festen Nahrung. Sehr beliebt ist ein Mix aus Eigelb mit Hüttenkäse, Quark oder Joghurt, Honig oder Milchreis. Wir variieren hier viel. Mit sechs Wochen sind die Welpen dann umgestellt und bekommen die Nahrung, die auch der „Neue Besitzer“ füttern wird.

Die neue Form der Nahrungsaufnahme wird bei uns mit einer „Entdeckungsreise“ zur Küche kombiniert (Horizonterweiterung). Auch erfolgt in dieser gesamten Phase je nach Jahreszeit und Wetterlage, der erste Ausflug in den Garten, ein erstes „Sonnenbad“ und die Autofahrten, sowie Ausflüge in die nahe Natur, um die Welpen mit vielen weiteren optischen und akustischen Umweltreizen zu konfrontieren. Die Ausflüge in den nahen Wald sind immer die schönsten, hier sind die Welpen schon total in ihrem Element, sie können viele verschiedene Untergründe erkunden, an Blümchen schnuppern, Stöckchen knabbern und vieles mehr. Es wird auch schon wie wild gebuddelt. Zuerst bleiben die Welpen entweder hübsch brav auf der Decke oder dicht bei uns, aber dann, je nach individueller Veranlagung, nehmen sie ihre „Forscherkarriere“ in Angriff ;-). Dies ist immer sehr schön zu beobachten. Die Welpen bekommen ihren eignen Charakter. Alles bisher Erlernte wird intensiviert und verfeinert.

In diese Zeit fällt auch der erste Tierarztbesuch, incl. des Chippens und Impfens. Bei uns erhält jeder Welpe ab ca. 4. Lebenswoche ein „Medical Training“ (tgl. Abhören mit dem Stethoskop, Augen-, Ohren-, Mäulchen und Pfötchenkontrolle, so ist ihnen diese Prozedur beim Tierarzt schon ein wenig vertraut. Auch das tägliche Kämmen und Bürsten gehören von nun an dazu.
Nach dieser Phase erfolgt meist die Abnahme des gesamten Wurfes durch den DTK-Zuchtwart. Und wenn diese Formalitäten erledigt wurden -alle Welpen haben nun Namen und bekommen ihre Ahnentafel und eine Registrierung bei DTK- erfolgt der Abschied, der uns immer wieder natürlich doch ein wenig schwer fällt, auch wenn wir wissen, dass sie in gute Hände kommen und ihren neuen Besitzer sich sehr auf sie freuen, bleibt eine kleine Traurigkeit nicht aus. Wir hoffen aber, dass wir sie gut ausgerüstet haben und sie sich so schnell in ihre neuen Familien einleben und neugierig alles Neue aufnehmen. Gern stehen wir auch weiterhin mit „Rat und Tat“ zur Seite.



Literaturverzeichnis:
Handbuch der Hundezucht, Inge Hansen, Verlag Müller Rüschlikon
Aufzucht junger Hunde, Rosemarie Wild, Verlag Müller Rüschlikon


© 2011 Martina Herbert - Langhaarzwergteckelzucht „vom Panketal“

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